Nachbarschaftshilfe

Wie funktioniert ein Tauschring?

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Warum tauschen ?

Kein Geld nötig
 
Neue soziale Kontakte entstehen
 
Austausch von Wissen und Können:      
Jeder tut das. was er am Besten kann
 
Sich besinnen auf eigene Fähigkeiten
 
Austausch von Gütern spart Kosten
und ist ökologisch
 
Unmittelbare räumliche Nähe spart Zeit
und Geld
 
In lokalen Tauschringen verwirklichen Menschen
ihre Idee von einer gerechten Wirtschaft.
 
Die Bewegung wächst. 
 
Ein Grundsatz aber gilt in allen Tauschklubs:

Geld spielt keine Rolle. Wer auf seinem Konto ein Minus hat, kann dieses nur durch eine Gegenleistung ausgleichen.


Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Haushaltshilfe und Haareschneiden, Renovierungen und Reparaturen, Büroarbeiten und Esoterikkurse gehören ebenso zu Angebot wie Biobrot, Möbel, Kleidung und Bücher. 

"Suche Reisebegleitung",  "Verleihe Auto",  "Gebe Gesangsunterricht" – auch das sind typische Anzeigen in den Tauschring-Magazinen. In Köln gab es einmal ein Angebot zum Ziegenmelken, in Bremen bot eine Frau ihren Dildo feil.

Als 1992 die Tauschwelle von Nordamerika und England nach Deutschland schwappte und in Halle an der Saale der erste geldlose Handelszirkel entstand, war die Euphorie groß. 
In der ganzen Bundesrepublik fanden sich in den Folgejahren Nachahmer. Renommierte Sozialwissenschaftler wie Rolf G. Heinz von der Universität Bochum und Ulrich Beck von der Universität München betrachteten die neue Tauschökonomie schon als möglichen Ausweg aus der arbeitsmarktpolitischen Sackgasse.

Diese Euphorie ist inzwischen verflogen, doch ungeachtet dessen gewinnt die Bewegung an Bedeutung. Laut Klaus Kleffmann, Leiter des Tauschring-Archivs in Osnabrück,
einer bundesweiten Dachorganisation, gibt es heute etwa 350 Tauschringe mit insgesamt rund 25 000 Mitgliedern.

Die Gemeinde wächst. Allein in der Kleinstadt Witten kommen jährlich 30 bis 40 neue Mitglieder hinzu. Die Anzahl der Anhänger werde sich in den nächsten drei Jahren sogar
vervierfachen, glaubt Kleffmann

"vorausgesetzt, die Tauschringe vernetzen sich noch stärker im gemeinnützigen Wirtschaftssektor".
 
Tatsächlich stößt in der Zeit kollabierender Wohlfahrtssysteme gerade die soziale Ausrichtung der Tauschgemeinde auf breites Interesse, auch der Politik.

 
Wo beginnt die Schwarzarbeit?

Kleffmann selbst leitet das erste Tauschring-Projekt, das die EU zur Hälfte finanziert. Körperlich Behinderte und chronisch Kranke sollen dort ihre Fähigkeiten einsetzen
und stärker am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Dass das nicht bloß eine schöne Idee ist, beweist seit Jahren die Tauschbörse Kassel, die im örtlichen Zentrum für selbst-
bestimmtes Leben behinderter Menschen untergebracht ist.

Unter den Mitgliedern sind viele mit Handicap. Auch das Bundesgesundheitsministerium hat den Nutzen der Tauschringe erkannt und fördert mit 9300 Euro erstmals deren Bundestreffen, das im September 2002 in Witten stattgefunden hat.

Vielerorts stellen die Kommunen den Tauschringen Räume zur Verfügung. Die Gemeinde Schriesheim an der Bergstraße hat den dort ansässigen Tauschclub sogar eigens ins Leben gerufen. In Witten planen Vertreter der Gemeinde und des Tauschrings eine engere Zusammenarbeit. "Die Kommunen müssen sparen. Deshalb suchen wir bei der Finanzierung etwa von Stadtteilbüchereien nach neuen Wegen", erklärt Bürgermeister Klaus Lohmann.

Die Renovierung des Jugendhauses kostet die Stadt nicht einen Cent. Mitglieder der Tauschbörse machten die Arbeit, im Gegenzug verzichtet die Gemeinde auf die Miete  für den Vereinsraum.

Bislang sind das Einzelfälle.


Das Kommunen nicht viel stärker mit Tauschringen kooperieren, obwohl sie von deren sozialem und umweltpolitischem Engagement profitieren, liegt oft nur an den bürokratischen Barrieren.  Das scheitert in der Regel daran, dass die Finanzpolitiker nicht wissen, wie sie Kreuzer oder Batzen (oder wie bei uns Taler) verbuchen sollen", sagt Klaus Kleffmann.
 
Der Expansion des geldlosen Handels steht zudem die Unsicherheit gegenüber im Wege, wie sich Tauschgeschäfte auf Sozialleistungen, etwa Arbeitslosengeld,
auswirken und ab wann die getauschten Dienstleistungen einkommenssteuerpflichtig sind.

Damit sie nicht den Stempel der Schwarzarbeit aufgedrückt bekommt, ist die Gib-und Nimm-Gemeinde gezwungen, ihre Bedeutung klein zu reden.
 
 
In anderen Ländern: privat, politisch, kommerziell:
 
Milliardentausch für Unternehmer

Schweiz: In Europa floriert der Tauschhandel unter Unternehmen in der Schweiz.     70.000 Firmen treiben dort Barter-Geschäfte. Das sind 25 % aller Betriebe. Der jährliche Umsatz: 2,5 Milliarden Franken. Die größte Organisation ist der WIR-Wirtschafsring.
Er wurde 1934 gegründet, und seine ursprüngliche Zielsetzung war es, durch den geldlosen Handel die  Nachfrage zu beleben und den Zins abzuschaffen.
Heute versteht er sich als Selbsthilfeorganisation des Mittelstands.


Vereinigte Staaten:

In den USA verzichten zahlreiche Gewerbetreibende bei ganz normalen Geschäften auf Geld. Vor allem die so genannten Barterclubs boomen.
Das sind regionale Tauschringe von Unternehmen, die anders als die Gib-und-Nimm-Gemeinde in Deutschland kommerziell ausgerichtet sind. Inzwischen beteiligen sich    rund 400.000 Unternehmen, insbesondere aus dem Baugewerbe und dem Einzelhandel,  am Geschäft Ware gegen Ware. Sie tauschen jährlich Waren und Dienstleistungen im Wert von fast 10 Milliarden Dollar.

Ganz andere Motive hat die US-Gemeinde Ithaca, die zur Stärkung der lokalen Ökonomie ihr eigenes Tauschgeld druckt. Dort, im Bundesstaat New York, sind die Köpfe von
Georg Washington, Abraham Lincoln und Co. von vielen Geldscheinen verschwunden. Statt des gewohnten Konterfeis eines ehemaligen Präsidenten zieren regionale Blumenarten und lokale Wasserfälle die Scheine. Es handelt sich dabei um die neue, lokale Währung, die "Ithaca-Hours", die insgesamt 1500 Bürger für den Tausch von Waren und Dienstleistungen nutzen. Inzwischen lassen sich viele Handwerker und Farmer in Hours bezahlen, so mancher Einwohner von Ithaca zahlt sogar seine Miete damit. Selbst in den feinen Restaurants der Gemeinde, in den Kinos und auf Bowlingbahnen wird die Nebenwährung klaglos akzeptiert.


Frankreich:

Auch den 350 französischen Tauschringen, Grain de Sel (Salzkörner) genannt,fehlt die für die deutschen Zirkel typische ideelle Ausrichtung. Träger der Bewegung ist nicht die Alternativszene in den Großstädten. Vielmehr gibt es in Frankreich Landstriche, in denen sich Bauern mit Tauschgeschäften bis zu 40 % ihres Lebensunterhalts erwirtschaften.
 
Bernard Litaer, Exmitglied der belgischen Zentralbank, ist ein Verfechter der so entstehenden  lokalen Komplementärwährungen.

Er berichtet von der Region Ariege ín Südwestfrankreich, in der die Bewohner alle 14 Tage zu einer großen Party zusammenkommen. "Die Leute handeln nicht nur wie an normalen Markttagen mit Käse, Früchten oder Kuchen, sondern auch mit Stunden für Klempnerarbeiten, Haareschneiden, Segeln oder Englischlektionen.

Nur lokale Währungen werden nicht akzeptiert.

Italien:
In Italien werden die knapp 100.000 Mitglieder der Branche del Tempo (Zeitbanken) von den Kommunen unterstützt. Häufig betreiben sie Schulen und Kindergärten.

England:
Die 40.000 Mitglieder der englischen Lets (Local Employments and Trade Systems) können Gemeindeabgaben teilweise in der jeweiligen lokalen Währung zahlen. 

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